Villa 102
Legende im Umbau

Legende im Umbau

Sanierung eines Kulturdenkmals

Die Sanierung war eine große Herausforderung. Hand in Hand mit dem Denkmalschutz gelang es, den Verfall zu stoppen und die Villa in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Welche Verwandlung das Gebäude vom Kauf im Jahr 2012 bis zur Übergabe 2018 durchgemacht hat, zeigt unsere Bildergalerie.

Das Ergebnis ist herausragend: Die Sanierung der Bockenheimer Landstraße 102 hat aus einem Pflegefall ein Schmuckstück gemacht. In ihrer Kombination aus instand gesetztem Kulturdenkmal und implementierter neuer Technik ist die Villa 102 mit ihrem nun fast musealen Charakter in Frankfurt nahezu einzigartig. Doch der Weg dahin war kein leichter. Die Arbeiten standen vom Beginn 2014 bis zum Ende 2018 vor immer neuen baulichen und organisatorischen Herausforderungen. Zahlreiche Um- und Anbauten, die das Gebäude in seiner 100-jährigen Geschichte erfahren hat, blieben zunächst unter der Oberfläche verborgen. Aber trotz ihres Alters, der vielen Vorbesitzer, der gewerblichen Nutzung und teilweisen Verbauung enthält die Villa noch viel wertvolle historische Substanz. Diese bereitete die KfW komplett auf.

Umbau mit Herausforderungen

Villa 102

Nach dem Kauf 2012 und vor Sanierungsbeginn ging sie an eine umfangreiche Bestandsaufnahme des 1912/13 errichteten Kulturdenkmals. Eng eingebunden war in steter Abstimmung das Denkmalamt. Die KfW war sich ihrer Verantwortung für das kulturelle Erbe der Stadt bewusst und beachtete alle Auflagen des Denkmalschutzes. Die Planungen mussten sich aber immer an der Realität messen lassen, denn die historische Substanz bot viel Ungeahntes: Manches wurde erst nach Entfernung des Putzes sichtbar. So fehlten beispielsweise an einer Stelle erwartete Stahlträger, unvermutet fanden sich anderswo unbekannte Verankerungen. Gefragt war immer wieder die Fantasie der Planer.

Zu bewältigen galt es das Spannungsfeld zwischen den Anforderungen des Denkmalschutzes, der Sicherheit, der geplanten Nutzung sowie der Energetik. Zwar gab es keine entsprechenden Anforderungen, doch bemühte sich die KfW entsprechend ihrer weltweiten Förderung von Umwelt- und Klimaschutz um größtmögliche Energieeffizienz. Wie sehr diese und der Denkmalschutz teilweise in Konkurrenz traten, zeigte sich beispielhaft bei der Erneuerung der Fenster: Diese sind nun als Kompromiss beider Anforderungen statt energieeffizient dreifach nur zweifach verglast, um dem historischen Original möglichst treu zu bleiben.

Moderne Interpretation

Renovierung Villa 102

Trotz der Anlehnung an den ursprünglichen Bauzustand präsentiert sich die Villa 102 nach Sanierungsende nicht mehr so wie zu ihrer bekanntesten Zeit als Literaturhaus. Das Gebäude hat entsprechend der geplanten Nutzung seinen Wohnhauscharakter verloren. So ließen sich zum Beispiel die historischen Tapeten nicht mehr rekonstruieren. Immerhin fand sich ein Rest, an dem sich die jetzige Wandfarbe orientiert. Wie auch in der übrigen Villa handelt es sich um ein mit dem Denkmalamt abgestimmtes, modern interpretiertes Farbkonzept. Parallel dazu gestaltet sich die Möblierung. Sie sieht eine flexible Grundausstattung für Veranstaltungen vor. Unterstützung finden diese durch eine dezent moderne Beleuchtung. Derart ausgestattet, bieten die Repräsentationsräume der Villa das Ambiente für Kultur- und Dialogevents aller Art.

Doch bis die Arbeiten so weit waren, gab es viel zu tun: Zunächst standen die Schadstoffsanierung und die Errichtung eines neuen unterirdischen „Zwischenbauwerks“ an. Dieses stellt eine Verbindung zur Tiefgarage des nebenstehenden KfW-Neubaus Bockenheimer Landstraße 104 her und nimmt als Kellererweiterung die Gebäudetechnik – unter anderem eine neue Lüftungs- und Kühlanlage – und die Sanitärbereiche auf. Maximal lässt die Villa entsprechend den Auflagen des Brandschutzes Veranstaltungen für 199 Gäste zu. Insbesondere wertvolle historische Oberflächen wie die Stuckdecken wurden schonend freigelegt: Die Farbe wurde Schicht für Schicht entfernt und ausgebessert. Nachträglich verschlossene Fensteröffnungen wurden wiederhergestellt und die als Büro überbaute Loggia rekonstruiert. Nun lädt sie wieder in ihrem ursprünglichen, offenen Zustand zum Verweilen ein. Eine neue Freitreppe verbessert den Zugang von der Terrasse in die Außenanlagen. Weitgehende Barrierefreiheit stellt unter anderem ein neuer Personenaufzug vom Untergeschoss bis ins zweite Obergeschoss sicher.

Zu diesem führt auch das rekonstruierte Nebentreppenhaus des ehemaligen Dienstbotenaufgangs. Im früheren Gesindetrakt werden künftig Schulungen abgehalten, im Dachgeschoss darüber befindet sich eine der beiden separaten Lüftungszentralen. Nötig machen diese die enormen Anforderungen an die zukünftige Nutzung des Gebäudes. Während die Lüftungszentrale im „Zwischenbauwerk“ die Räume bis zum ersten Obergeschoss versorgt, ist diejenige im Dachgeschoss für die Schulungsräume im zweiten Stock zuständig. Insgesamt ist die Villa technisch fast wie ein Neubau ausgestattet. Um den historischen Charakter des Hauses nicht zu stören, soll man dies jedoch nicht sehen: Die Zugänge zu den Steuerungen der Elektronik sind in den historischen Einbauschränken verschwunden. Steckdosen und Medienanschlüsse verbergen sich in den Sockelleisten und Lautsprecher hinter der Holzvertäfelung.

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Spezialisten am Werk

Viele Gewerke sowie Wände und Böden wurden in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Neben dem ursprünglichen Bestand fanden sich auch verbaute, verschandelte und teilweise zerstörte Flächen. Immer wieder holte die KfW Spezialisten mit ins Boot. Holzverkleidungen hatten beispielsweise vielschichtige und unfachmännische Anstriche erhalten, die nichts mit dem ursprünglichen Zustand zu tun hatten. In historischer Arbeit geschulte Schreiner übernahmen die mühevolle Bearbeitung der Holzoberflächen. Ähnliches galt für die zumindest im Kern gut erhaltenen Stuckdecken. An ihnen nahm ein in Denkmalpflege erfahrener Stuckateur nur wenige Verbesserungen vor. Viel Arbeit hatten auch die mit historischem Material vertrauten Steinmetze: Sie reparierten und reinigten die Natursteinelemente an der Fassade und tauschten beschädigte Stellen aus.

Der Zeitplan wurde einige Male durcheinandergewirbelt, die Planer der KfW hangelten sich von Überraschung zu Überraschung. Trotz aller Schwierigkeiten fanden sie und ihre Partner stets einen Weg. Nur weil alle Hand in Hand arbeiteten, war das beeindruckende Ergebnis möglich. Mit dem Abschluss der Arbeiten bildet die Villa 102 als Kultur- und Dialogplattform sowie als Sitz der KfW Stiftung das Juwel der Frankfurter KfW-Gebäude. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bietet es insbesondere ein modernes Schulungszentrum und einen Garten mit Parkcharakter.